Der Nussknacker: Neuveröffentlichung

Am 10. September 1991 brachte das Modern Mandolin Quartet ihr Album The Nutcracker Suite raus. Aus irgendein Grund, bei einer Suche auf den meisten Streamingdiensten erscheint eine andere Aufnahme von Jahre später, mit einer anderen Besetzung. Um das klarzustellen, möchte ich hier das Original verlinken.

Es gibt eine lustige Geschichte zu den Arrangements dieses Albums. Damals waren wir gerade fertig mit der produktion von Intermezzo, und unser Plattenlabel Windham Hill hat uns vorgeschlagen, der Nussknacker als nächstes Album zu machen. Wir haben die idee ganz viel diskutiert. Um die Weihnachtszeit ist der Nussknacker unvermeidbar als musikstück, man wird ihm begegnen wie eben auch Weihnachts-popmusik in einem Shoppingzentrum, obwohl man die beiden stücke nicht im selben Atemzug erwähnen sollte.

Ich war persönlich nicht größter Freund dieser Idee, wissend dass ein Großteil der Arrangierarbeiten auf mein Schultern wahrscheinlich fallen würde. Trotzdem formte in meinem Kopf der Anfang eines Streiches. Der Gruppe habe ich ab dann meine Abneigung zur Idee immer geäußert, alleine aber habe ich angefangen die Stücke zu arrangieren. Wenn jemand mir die Idee wieder erwähnen würde, habe ich jedes mal leicht ansteigend meine Abneigung nochmal geäußert.

Ich habe so für ein paar Monate weitergemacht. Eines Tages, vor einem Konzert, sah ich wie die anderen Bandmitglieder sich leise in der Ecke besprochen haben. Schon bevor sie sich zu mir wandten wusste ich, es hieße gleich wieder Nussknacker. Gewiss, sagte er [wer?] gleich “Hey, John, wir müssen reden. Windham Hill, der nussknacker..” —Jetzt war genau die richtige moment auszuflippen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt fünf der acht Sätze vom Nussknacker fertig, handkopiert und in meiner Tasche schon bereit. Ich erinnere mich nicht mehr ganz genau an das was gesagt wurde, aber irgendwas wie: “Schon wieder nussknacker? Ich habe die ganze Scheiße satt. Habt ihr überhaupt eine Ahnung was das für eine Arbeitsaufwand wäre die zu arrangieren? Es würde ja Monate dauern!!” Ich griff in die Tasche und warf ein Stück musik auf den Boden. “Russian Dance? Verdammt noch mal!” Noch ein griff in die Tasche. “Dance of the Mirltons? Wer wird das wohl machen?” BAM! Wieder ein stück auf den Boden. Ich habe so weiter gemacht, bis die fünf Sätze handkopierter Musik auf der Bühne um uns verstreut lagen, die anderen Bandmitglieder verblüfft. “So. Dann kann wer anders eben den rest machen,” sagte ich.

Ich war mit dem Streich ganz glücklich. Ein richtiger Slow Burner, es hatte genug Aufbau und am Ende eine richtige Katharsis. Jedenfalls sind unten die Stücke und die Jeweilige Arrangierer notiert, damit weiß man heute genau welche musikstücke vor so vielen jahren den Boden trafen.

Besetzung:
Mike Marshall: Mandoline I
Dana Rath: Mandoline II
Paul Binkley: Mandola und Gitarre
John Imholz: Mandoloncello
Zu Gast: Edgar Meyer (Bass bei Winter’s Chill) und Ransom Wilson (Flöte bei Vivaldis Winter) 

Komposition: Pyotr Ilyich Tchaikovsky (Arrangiert von John Imholz und Paul Binkley) 
Produktion und Aufnahme: Produziert von Mike Marshall, Aufgenommen Mai-Juni 1991 bei Mobius Music Studios, San Francisco

Titel:
1. Overture (3:05)     (arr. JI)
2. March (3:04)        (arr. JI)
3. Dance Of The Sugar Plum Fairy (2:07)     (arr. Paul Binkley)
4. Russian Dance (1:08)    (arr. JI)
5. Arabian Dance (3:49)    (arr. Paul Binkley)
6. Chinese Dance (1:03)    (arr. JI)
7. Dance Of The Mirlitons (3:11)     (arr. JI)
8. Waltz Of The Flowers (7:31)    (arr. Paul Binkley)
9. Antonio Vivaldi – Winter: Allegro Non Molto (3:12)
10. Antonio Vivaldi – Winter: Largo (1:59)
11. Antonio Vivaldi – Winter: Allegro (2:53)
12. Wolfgang Amadeus Mozart – Overture From The Magic Flute (7:08)  
13. Edgar Meyer – Winter's Chill (5:29)